Neuseeland ist nun schon wieder sechs Monate vergangen und es wird Zeit, zu den vielen tollen Erlebnissen, die wir in den sechs Wochen gesammelt haben, wieder neue hinzuzufügen.
Leipzig ist im Winter selten bis fast nie ein wirkliches Winterwunderland. Daher treibt es uns in gewissen Abständen in den „richtigen“ Winter und wer weiß, wie lange man auch im Norden noch uneingeschränkt den Winter genießen kann.
In den Jahren zuvor haben wir Finnland mit Helsinki und Norwegen mit Oslo besucht. Also fehlt noch Schweden mit Stockholm. Wir werden ab dem 27.12. 16 Tage in Schweden verbringen. Anfänglich sind wir 3 Nächte in Stockholm und es zieht uns dann bis kurz unter den nördlichen Polarkreis in die Nähe von Östersund. Mir war es wichtig, dass die Gegend, in die wir reisen, schneesicher ist. Daher mussten wir von Stockholm aus weiter in den Norden fahren. Es muss bei der Planung aber auch beachtet werden, dass weiter nördlich kaum noch Tageslicht vorhanden ist um diese Zeit.
In großer Vorfreude und an Ermangelung von Zeit über die Weihnachtszeit platziere ich daher jetzt schon einmal den Blogeintrag.

2025.12.27 und 28
Am Samstag, den 27.12. war Anreisetag. Bei sonnigem Wetter fuhren wir 12:45 Uhr los und kamen nach etwas über 2 Stunden im drüben und regnerischen Berlin Schönefeld an. Da die Parkpreise direkt am Flughafen BER seit unserer letzten Reise im Juni 2024 doch happig zugenommen hatten, entschloss ich mich, diesmal am stillgelegten Flughafen Schönefeld zu parken. Also 20-30 Minuten mehr Zeit einrechnen. Da wir erst 18:20 Uhr flogen, war auch genügend Zeit vorhanden. Nach dem wir uns am Busschalter in Richtung BER angestellt hatten und ich aus den Abfahrtszeiten nicht schlau geworden war, überwand ich meinen männlichen Stolz und fragte einen Busfahrer. Sie müssen zur S-Bahn, war die Antwort. Na zum Glück nicht erst nach 30 Minuten gefragt.
Die S-Bahn war nur 5 Minuten weiter und der Bahnsteig empfing uns mit: Aufgrund eines Polizeieinsatzes sind die Abfahrtzeiten unregelmäßig. Berlin eben, dachte ich mir. Dennoch blieb uns allzu langes Warten im nasskalten Nieselwetter erspart und 2 Haltestellen weiter waren im modernsten Flughafen der Bundesrepublik angekommen. Immer wieder komme ich zum gleich Fazit, wenn ich dort einige Zeit verbracht habe. Warum hat sich Berlin so einen provinziell anmutenden Flughafen vor die Nase gesetzt.
Wie ich erst später mitbekam, flogen wir wohl in Richtung des Wintersturms Johannes. Es fragten einige Freunde nach, ob bei uns alles ok sei. Wieder einmal ist die Aufregung außerhalb eines Landes größer, als im Land selbst. Die Landung war etwas holprig in der kleinen Zigarrenkiste mit ihren 80 Passagieren, aber eigentlich nicht der Rede wert.
Wichtig war, dass wir gut angekommen sind, wir unser Auto bekommen haben, die anvisierte Unterkunft gefunden hatten und gut aufgenommen wurden.
Derzeit geht in Stockholm 8:45 Uhr die Sonne auf und 14:45 Uhr unter. Aufgrund des Mietwagens und der schlechten Parksituation im Zentrum wohnten wir etwas außerhalb. Wir fuhren 33 Minuten mit der U-Bahn ins Stadtzentrum von Stockholm. Die Sonne strahlte und wir tauchten sogleich in diese tolle Stadt ein.
Stockholm Altstadt ist fantastisch erhalten und die Mischung aus alten Gebäuden und Wasser ist grandios. Wir begangen mal wieder den Fehler, in das erst beste Cafe auf der Touristenmeile zu gehen, anstatt 2 Gassen weiter ein abgelegeneres zu nehmen. Aber Hunger frisst Hirn. Immerhin war der Cappuccino für 8 Euro sehr lecker.
Wir fuhren im letzten Sonnenlicht mit der Fähre nach Djurgarden und verbrachten dort Zeit im Vasa-Museum. Das hat nix mit Knäckebrot zu tun, sondern mit sinkenden Schiffen (eigentlich nur einem). Tolles Museum. Und erneut durfte ich feststellen, dass uns die skandinavischen Länder bezüglich Pragmatismus um einiges voraus sind. Toiletten für Männer und Frauen (im selben Raum), riesige Unterstände für Kinderwagen, fast überall kontaktloses Zahlen und einiges mehr.
Trotz des eisigen Windes verbrachten wir noch einige Zeit zwischen Wasser, Häusern und Lichtern und endeten gut erschöpft in einem kleinen Restaurant mit Burger und Köttbullar. Ein toller erster Tag mit massig Eindrücken ging zu Ende. Man kann gar nicht alles hier abbilden, was wir so erlebt haben.









2025.12.29
Wie schon am ersten Morgen ging ich auch den darauffolgenden eine kleine Runde zum Sonnenaufgang. Diesbezüglich ist die Sonnenaufgangszeit perfekt. Man kann einigermaßen ausschlafen und hat trotzdem noch den Sonnenaufgang vor der Nase. Nur der Sonnenuntergang ist doch etwas zeitig. Auf jeden Fall war es windiger als am Vortag und Wind ist bei ca. 0 Grad ein Faktor.
Diesmal fuhren wir nicht in die Stadt, sondern mit dem Auto ein wenig die nähere Umgebung ab. Früher hat man ein Auto bei der Mietwagenfirma abgeholt, geschaut, was man tanken darf und ob es ne manuelle oder automatische Schaltung ist und los ging es. Heute muss man nur für das richtige Einstellen des Sitzes studiert haben. Bei der Abholung am Flughafen mitten in der Nacht hatte ich dafür keinen Nerv mehr. Jetzt am Vormittag und ausgeschlafen wurden erst einmal alle notwendigen Funktionen eingestellt. Dafür fährt sich der Volvo wirklich gut, außer dass er ständig bei Überschreitung der Geschwindigkeit, die er sich von den Straßenschildern selbst aneignet, mit 3 Piepern auf die Nerven geht. Bei den Kosten für Geschwindigkeitsüberschreitung zwar nett gemeint, aber dennoch echt anstrengend. Auch weil diese Geschwindigkeit von der Fahrweise der Schweden doch sehr abweicht. Also immer im Fluss mitschwimmen. Durch das im Auto integrierte LTE und die Nutzung von Google Maps werden zumindest alle Blitzer angezeigt.
25 Minuten von unserer Unterkunft liegt Drottningholm Slott, das Schloss der Königsfamilie. Die Anlage ist herrlich. Leider kann man zum Montag das Schloss selbst nicht besichtigen und in dem Zuge hat auch das Café geschlossen. Somit hatten wir kein Frühstück und das laute Knurren unserer Mägen ließ die Königsfamilien genau so kalt, wie der eisige Wind war, der uns um die Nasen fegte.
Auf dem Weg zur Wanderung in einem Naturreservat fanden wir aber noch eine Bäckerei, die uns verköstigte und wir für die 7 km genug Energie sammeln konnten. Mit dem Start der Wanderung kurz vor 15:00 leuchtete der Himmel in den herrlichsten Farben und zum Glück leuchtete dann der Mond auf dem restlichen Weg hell genug, um wieder zum Auto zu gelangen.
Das Abendbrot gab es dann im Spice of India. Sehr leckeres indischen Restaurant, was seinen Ursprung in Neuseeland hatte. Wie sich mal wieder der Kreis schließt.








2025.12.30
Der erste längere Reisetag stand vor uns. Wir fuhren knapp 4 Stunden Richtung Norden in den Ort Gesunda. Dort haben wir eine kleines altes Häuschen für 4 Nächte gemietet, in dem uns die ständigen Bewohner Astrid und Uffe erwarten werden. Astrid und Uffe sind 2 Katzen, die mit zum Inventar gehören.
Der Reiseweg war recht unspektakulär, da man auf Schwedens Verbindungsstraßen lange geradeaus fährt und das auch mit maximal 110 Km/h. Obwohl 110 Km/h schon eher die Ausnahme war. Somit ziehen sich 250 km zum Erreichen des Zieles. Zwar wurde es die Tage Stück für Stück kälter, der Schnee hat sich aber noch nicht blicken lassen. Anfänglich war das Land sehr flach und landwirtschaftlich geprägt, später änderte sich dies auch durch viel Wald und einige Hügel.
Die neue Unterkunft ist mal wieder so etwas Besonderes, was wir zum Glück immer einmal wieder im Urlaub finden. Das alte Haus ist liebevoll eingerichtet und hat seinen eigenen Charme. Astrid und Uffe schauten uns mit großen Augen, unter das Kinderbett im Schlafzimmer gepresst, an. Sie tauten aber recht schnell auf.
Da ansonsten viel Zeit zum Nachgrübeln war, kam mir ein Gedanke in den Sinn, den ich immer mal wieder habe. Nach Geburtstagen wird sich gern mal in großer Gruppe (WhatsApp Status oder andere tolle Plattformen) für die Glückwünsche bedankt und dass man sich freut, dass alle an einen gedacht haben. Davon ausgehend, dass sich ja die Leute persönlich bei einem gemeldet haben und man sich entweder am Telefon oder direkt auf die Geburtstagsgrüße per Nachricht bedankt hat, frag ich mich, wem gilt dann dieser Dankesgruß. Eigentlich doch nur denen, die es vergessen haben?!
Wir haben jedenfalls nicht vergessen die Miezen zu füttern und uns gemütlich mit Köttbullar und Nudeln selbst zu sättigen.









2025.12.31
Der letzte Tag im Jahr war noch einmal abwechslungsreich. Trotz der wenigen hellen Stunden machen wir uns nicht verrückt, schliefen aus und setzten uns erst nach einem gemütlichen Frühstück in Gang. Wir entschlossen uns an 2 Wasserfälle zu fahren.
Die Nummer 1 hieß Helvetesfallet. Das erste Mal kam beim Befahren der angefrosteten Schotterpiste ein Hauch von Abenteuergefühl auf. Am Ende der Straße war dann ein kleiner Parkplatz. Wir waren das zweite Auto und man kann sich schon denken, aus welchem Land das Auto des Erstplatzierten kam. Natürlich kam es aus Deutschland und in dem Fall aus Frankfurt am Main.
Dass wir nicht die Einzigen auf diesem kleinen Pfad zum Wasserfall waren, hielt uns nicht davon ab, dennoch nach unten zu stapfen. Der Weg war gut mit Holztreppen präpariert. Man musste nur abseits dieser Holzwege schauen, dass man nicht auf den wenigen eisigen Stellen ausrutschte. Der Wasserfall war dann mehr ein reisender Fluss, der in einem kleinen Canyon eingebettet war. Trotz der großen Fließgeschwindigkeit war viel Eis am Rande des Flusses. Das fühlte sich wie Winter an.
Neben den Frankfurter Deutschen trafen wir auch noch welche aus Südhessen. Die gaben uns für den nächsten Aussichtspunkt noch einige Tipps. Dieser Halt war dann am Storstupet. Der Canyon war noch der selbe von weiter oben. Das Wasser wurde hier noch durch Betonabschnitte künstlich eingeengt und beschleunigt. Das Highlight war die Eisenbahnbrücke, die über den Canyon führte. Durch die Hinweise unserer Südhessischen Kurzbekanntschaft kamen wir hoch zur Brücke und überquerten diese dann auch. Die Beschaffenheit der dünn anmutenden Bretter und die sehr offen gestalteten Geländer am Rand ließen in uns ein flaues Gefühl beim Überqueren aufkommen. Das Knarren der gefrorenen Bretter beim Betreten untermauerte dieses Gefühl stärker als gewünscht. Jedenfalls hatte sich die einstündige Anreise an den Canyon gelohnt.
Im Haus zurück, welches wir nun gut aufgeheizt hatten, bereiteten wir uns auf unser Silvesterdinner am Fuße des Gesundaberget vor. Dazu gehörte eine gemütliche Runde Kaffe, eine Filmsession mit den Minions und einem kurzen Powernap während des Filmes (also nur von mir).
Das Dinner begann dann 19:00 Uhr. Wir waren ca. 50 Gäste und es gab 4 leckere Gänge. 22:00 Uhr wurden alle rausgeschmissen und jeder konnte dann sein Silvester verbringen, wer er mochte. Wir mochten kurz nach 23:00 Uhr einschlafen und taten dies auch.










2026.01.01
Das neue Jahr begrüßt uns mit dem erhofften Schnee. Wenn Wünsche dieses Jahr immer so schnell in Erfüllung gehen, dann könnte 2026 wunderbar werden.
Ich bin vor dem Frühstück schon einmal die Umgebung abgelaufen, um das frische Weiß zu genießen. Außer mir war ansonsten auch nur der Schneeschieber unterwegs. Der hatte auf jeden Fall gut zu tun. Als ich nach meiner kleinen Schneeerkundung wieder zurückkam, gab es erst einmal Frühstück.
Auch die Katzen schauten sich immer einmal wieder draußen um und kamen mit kaltem Fell und feuchten Pfoten zurück. Wenn es so weiter schneit, würden sie im Schnee verschwinden.
Wir wanderten nach der morgendlichen Stärkung 2 Stunden durch den Winterwald. Direkt hinter unserem Haus fängt ein breiterer Forstweg an. Wir waren jedenfalls die ersten Spuren im Neujahrsschnee und es schneite immer weiter.
Wir verbrachten den restlichen Tag dann im Haus. Ich schaute, wie meistens um diese Zeit im Jahr, Darts WM und raffte mich zum Abendlicht gegen 16:00 noch einmal auf und ging hinaus, um die Kunstlichter der Häuser und Laternen im Schneegestöber zu fotografieren.
Ansonsten passierte nicht mehr viel, was mitteilungswürdig wäre.









2026.01.02
Zu den niedrigen Temperaturen und dem vielen Schnee kam jetzt noch ein eisiger Wind, der uns den Winter hier vor Ort noch ein wenig mehr spüren lies. Aber wir wollten es ja so.
Bevor wir uns auf den Weg machten, durfte ich noch schön das Auto freischaufeln. Zum Glück hatte ich es nicht in der Senke im Garten geparkt. Dann beobachteten wir noch einen Specht, der den Elektromast anspechtete. Man sagt ja immer, Spechte hacken in Totholz. Aber ob er sich da nicht vertan hat der Gute?
Wir fuhren nach Mora, eine kleine Stadt mit 12.000 Einwohnern und ca. 20 Minuten von uns entfernt. Ziel war das Zorn Museum. Damit sind nicht alle Formen der Wut gemeint, sondern der Maler Anders Zorn, der von 1860 – 1920 gelebt hat. Als Kenner der Kunstszene war mir der Name natürlich ein Begriff (nicht). 🙂
Jedenfalls wurde das Museum 1939 von seiner Frau eröffnet. Diese war aufgrund ihrer finanziellen Stellung auch die, die ihn promoted und groß gemacht hat. Immerhin hat er 3 Portraits von Präsidenten der USA gemalt. Diese Rumreiserei quer durch die Welt führte auch dazu, dass er und seine Frau viel technischen Schnickschnack mitbrachten. Somit hat sich zu heute nicht viel verändert. So hatten sie den Telefonapparat mit der Telefonnummer 4. Also die 4. Nummer in ganz Schweden. Auch waren sie eine der ersten mit einem Kühlschrank unf überhaupt mit Elektrizität.
Mora selber hatte noch einige historische Häuser und eine kleine Einkaufsstraße zu bieten. Die konnten wir aber nicht allzu lange bestaunen, da mir die mistigen Köttbullar vom Coop zu schaffen machten. Irgendetwas war in diesem Fertigfraß drin, was meinem Magen nicht so bekam. Ich versuche sowas ja meist zu meiden und es zeigte sich mal wieder, dass das der richtige Weg ist. Hände weg von Fastfoodfertigfraß.
Wir genossen dann noch die letzten Stunden im Holzhaus mit den beiden Miezen und bereiteten uns schon langsam auf die Abreise vor.









2026.01.03
Es hieß Abschied nehmen vom gemütlichen Holzhaus und Astrid und Uffe. Die beiden sind schon 2 besondere Katzen und es war erstaunlich, wie schnell sie sich an uns gewöhnt hatten. Man könnte fast denken, sie haben uns in ihr Herz geschlossen. Da ich aber als Katzenbesitzer weiß, dass es immer die Liebe zum nächsten Grauler und Futtergeber ist, wollen wir mal nicht ganz so sentimental werden. Shirley gelingt das naturgemäß natürlich nicht.
Es ging 4,5 Stunden geradeaus. Die Straßen waren in gutem Zustand. Das war nach dem Schneefall der letzten Tage nicht zu erwarten. Meine Befürchtung war, dass sich gleich auf den ersten Kilometern ein Schleicher vor uns setzt, der permanent 10 Km/h langsamer fährt, als es erlaubt ist. Glücklicherweise hatten wir das nur sehr selten und noch mehr Glück hatten wir, dass der Urlaubsendverkehr nicht in unsere Richtung fuhr. Somit waren wir die meiste Zeit tatsächlich allein auf der Straße. Da man nicht immer erkennen konnte, ob es glatt ist oder nicht, gab es regelmäßige Bremsversuche. Die Winterreifen in Verbindung mit den Spikes (die bei uns nicht erlaubt sind) leisten hier ganze Arbeit. Bei all unseren Winterurlauben in den Norden lege ich großen wert darauf.
Unsere neue Unterkunft erlangten wir nicht auf Anhieb. Die bei Airbnb verlinkte Adresse führte in ein Waldstück ohne erkennbare Behausung. Wenn man die Adresse, die darunter stand, per Hand eingab, kam man wenige Kilometer später zum Ziel. Wir kamen dann in eine dünn besiedelte Gegend und wurden von Sune, unserem Gastgeber, schon erwartet. Wir bekamen das Innenleben der Unterkunft gezeigt und vor allem die Bedienungsanleitung der Sauna. Das Haus ist sehr geräumig und wir haben es nur ca. 400 Meter zum See. Dort sind wir auch gleich mit dem letzten Licht (gg. 15:00) hingelaufen.
Hier können wir jetzt den Winter genießen, wie wir uns ihn vorgestellt haben. Ein frisches Lüftchen, unter den Füßen knarzender Schnee, Stille und Sauna.
P. S. Darts WM Finale war langweilig.





2026.01.04
Eigentlich nehmen wir uns vor, gegen 8:00 Uhr aufzustehen, um dann die wenigen Sonnenstunden auszunutzen. Diesmal sind wir dann 9:30 Uhr aufgestanden und die Sonne kämpfte sich langsam am Horizont nach oben. Also raus aus den Schlafsachen, rein in die warmen Outdoorklamotten und hinaus in den Wintermorgen. Warme Sachen waren jetzt auch angesagt, da die Wetterapp -17 Grad anzeigte.
Diese Kälte in Verbindung mit der tiefstehenden Sonne zaubert fantastisches Licht in den Himmel. Wir entschlossen uns, aufgrund des sonnigen Wetters, die Umgebung zu Fuß zu erkunden und keine Zeit mit Autofahren zu verschwenden.
Nach dem Frühstück ging es erst einmal zum See. Auf dem Weg merkte ich schon, dass meine 3 Hosen heute zu wenig sein könnten. Also nochmal am Haus halt gemacht und eine Hose gegen ein wärmere gewechselt und noch eine vierte Hose drüber. Damit ließen sich dann auch die 3 Stunden Spazierwanderung aushalten.
Offne ist ein dünn besiedelter Ort und wir sind nur wenigen Leuten begegnet. Die, denen man über den Weg läuft, sind aber alle freundlich und unterhalten sich gern. Kommunikativ ist auch Svensson der Hund unseres Vermieters. Die kleinen Terrier sind ja nicht totzukriegen und trotz der Kälte ist er wie aufgezogen.
Die Wanderung ging an ein paar typisch schwedischen Häusern vorbei in den Wald mit Blick auf die Berge in Richtung Norwegen und wieder zurück. Die ganze Zeit hat sich die Sonne hinter Schleierwolken versteckt, so dass sie zu sehen war, aber ein ganz diffuses Licht hervorbrachte. Mit dem Sonnenuntergang kamen dann wieder pastellische Farbtöne mit ins Spiel.
Der Abschluss des Tages wurde in der Sauna und beim Tatort verbracht. Die Sauna ist immer wieder ein herrlicher Ausgleich zur kalten Jahreszeit und beim Tatort hat es auch geschneit.











2026.01.06
Von Tag zu Tag wird es hier kälter. Der Tag began mit irgend etwas um die -25 Grad und steigert sich noch auf -28 Grad. Da sollte schon der Wollschlüppi straff sitzen.
Jeder Morgen ist anders hier. Die Sonne geht auf und zaubert immer andere Farben und wir haben auch das Glück, dass es nicht bedeckt ist. Leider hat das aber die Polarlichter noch nicht interessiert. Die blieben unserem Auge verborgen.
Diesmal gab es den guten Morgen Spaziergang gemeinsam vor dem Frühstück. Wir hatten den Wecker ernsthaft auf 8:00 Uhr gestellt, um ihn 8:00 Uhr auf 9:00 Uhr umzustellen. Dann ging es aber mit leuchtend rotem Horizont raus aus den Betten.
Frühstück und Gequassel mit Sune führten dann zu einer Abfahrtszeit gg. 12:15 Uhr. Wir wollten zum Tännforsen, dem größten Wasserfall in Schweden. Die Fahrt war mit 1:07 Stunden angesetzt und führte über den Skiort Äre. Auf dem Weg dorthin veränderte sich die Landschaft und wurde immer bergischer. Dann tauchten am Horizont die hohen Berge mit ihren Abfahrtshängen auf. Dieses Skigebiet liegt nicht weit von der norwegischen Grenze entfernt. Man konnte auch von unten die Pisten sehen und mein Eindruck war, dass man hier gut Ski fahren kann.
Zum Wasserfall hin wurde es dann noch winterlicher und die Strecke verlief über verschneite Schotterpisten. Wir kamen mit unserem Auto ohne Probleme zum Wasserfall. Unten mühte sich gerade ein Deutscher mit seinem Camper ab. Er kam die erste Anfahrt vom Parkplatz nicht hoch. Da halfen nur Schneeketten. Jedenfalls war er nach unserem Spaziergang zum Wasserfall nicht mehr da.
Der Wasserfall war grandios und eine absolute Urgewalt. Die bis dahin schon übel kalte Luft wurde durch die Verwirbelungen vom Wasserfall noch einmal kälter. Die Fingerspitzen in den dicken Goretex Handschuhen wollten gar nicht mehr warm werden. Die tollen Eindrücke wurden dann im Parkcafe gebührend mit Kaffee und süßer Leckerei komplettiert.
Zu Hause hieß es dann wieder Gemütlichkeit mit Sauna und einem finnischen Krimi. Shirley liest auch gerade einen schwedischen Thriller. Also irgend etwas macht die Dunkelheit im Winter mit den Leuten hier.










2026.01.06
Wir genießen hier jede Minute im tiefsten Winter, egal wie kalt es da draußen ist.
An diesem Morgen ließ die Sonne auf sich warten und wir konnten in Ruhe frühstücken, ohne das Gefühl zu haben, etwas zu verpassen. Nach der Verköstigung strahlte die Sonne aber wieder über beide Ohren und auch wenn die Sonne immer die selbe ist, ist ihr Licht jeden Tag etwas anders. Wir gingen also mal wieder eine Runde in der Nähe des Hauses und kamen diesmal an einem kleinen Grundstück direkt am Wasser vorbei. Es schien jedenfalls im Winter nicht bewohnt zu sein. Die Lage unten am See war sehr privilegiert.
Wir wollten nach unserer kleinen Morgenrunde nach Östersund und auf die vor Östersund liegende Insel Frösön fahren. Beim Starten des Autos kamen auf Schwedisch 2 Batteriefehlermeldungen. Das Auto war zwar angesprungen, die Übersetzung der Meldungen ließ aber Zweifel an einer Ausfahrt aufkommen. Wir wären zwar erst einmal überall hingekommen, aber was, wenn das Auto nach dem Abstellen des Motors, was zwangsläufig in Östersund passiert wäre, nicht mehr gestartet wäre.
Wir hatten so etwas ähnliches damals schon in Finnland gehabt. Aufgrund der großen Kälte wollte das Auto nicht mehr anspringen. Damals war aber die Batterie richtig hinüber und es hatte uns niemand erzählt, dass man das Auto vor dem Starten aufwärmen konnte. Da man ja aus Erfahrungen klüger werden sollte, fragte ich am Vermietungsschalter genau nach dieser Funktion und wurde mit den Worten, das ist doch ein Volvo, da passiert das nicht, abgefrühstückt. In Finnland, wie auch jetzt, war es ein Volvo. Immerhin hat Sune mir dann ein Ladegerät gebracht und wir haben die Batterie, im Auto verbleibend, über Nacht daran angeschlossen.
Damit war der Ausflug hinfällig. Da wir schon angezogen waren, gingen wir halt zu Fuß. Diesmal trafen wir einen weitläufig direkten Nachbarn mit seinen Pferdchen, zwei davon waren Island Pferde und eins ein Shetland. Sie waren alle zum Glück gut bepelzt und trotzten somit der Kälte.
Ich ging dann später noch einmal in Richtung blauer Stunde aus dem Haus. Ansonsten war mal wieder Sauna und diesmal eine dänische Krimiserie angesagt. Die Dänen sind bei ihren verfilmten Tötungsdelikten auch sehr erfinderisch.










2026.01.07
Der letzte Tag im Haus bei Sune war angebrochen. Die Batterie schien geladen und die Zeit war nunmehr reif für einen Besuch in Östersund. Östersund ist eine Kleinstadt mit ca. 50.000 Einwohnern und den Biathlon-Freunden bekannt, da dort die ersten Wettkämpfe in der Saison stattfinden.
Zum ersten Mal begrüßte uns kein Sonnenlicht am Horizont und außer nach dem Stand der Batterieaufladung zu schauen, gab es keinen Anlass, vor dem Frühstück hinauszugehen. Also frühstückten wir und machten uns auf den Weg in die Stadt.
Die Batterie war laut Ladegerät voll einsatzbereit. Der Volvo startete zwar, brachte aber wieder die Fehlermeldung, die dann aber von selbst verschwand. Auch hatten sich die Temperaturen auf angenehme -12 Grad aufgeheizt. Wir sahen es als positives Zeichen und auch der Typ am Hertz-Schalter in Östersund wollte nicht mehr, als einen Eintrag im Computer vornehmen.
Östersund selber war ganz nett, aber jetzt nichts, wofür man einen Umweg in Kauf nehmen müsste. Die Straßen der Stadt zogen sich vom Bahnhof, wo wir unser Auto geparkt hatten, leicht bergauf in Richtung Stadtzentrum. Es gab einige ältere Gebäude und viele aus den 60er bis 80er Jahren. Jedenfalls war das Stadtbild nicht ganz stimmig und es gab wenig Grund dort ewig zu verweilen. Wir fanden aber immerhin noch ein niedliches Café, welches gleichzeitig auch als Bistro fungierte. Es zog sich über mehrere Häuserfronten und war in erster Linie von Einheimischen besucht.
Zum Abschluss schlenderten wir dann noch an der Seepromenade entlang. Am Anfang kamen uns die -12 Grad noch wie ein warmer Segen vor. Mit der Zeit und dem aufkommenden Wind relativierte sich dies aber. Auf dem Rückweg machten wir noch einige Abstecher von der Hauptstraße in Richtung kleinerer Siedlungen, da sie immer wieder schöne Motive abgaben.
Es fing langsam an zu schneien und laut Wetterbericht sollte sich das auch nicht so bald legen. Also waren wir gespannt, wie sich der Tag der Abfahrt gestalten sollte.
Und es gab ein letztes Mal Sauna satt…










2026.01.08
Nun gilt es in 2 Etappen den Weg in Richtung Flughafen zu finden. Die erste Etappe endet in einen kleinen Dorf bei Jättendal. Dort haben wir für eine Nacht eine umgebaute Fischerhütte gemietet.
In Offne schneite es, wie angekündigt, die ganze Nacht durch und wurde zum Vormittag noch heftiger. Den ersten Schneeflug hatte ich früh 4:00 Uhr beim Gang auf die Toilette gesehen. Die Hauptwege waren also frei. Für die privaten Ausfahrten ist dann jeder selber zuständig. Sune hatte mir am Vortag erzählt, dass sein 3 Jahre alter Traktor nicht anspringt. Bei der Masse an Schnee und Weg war dieser aber maßgeblich für die Beräumung des Weges. Wie das auf dem Land aber so ist, kennt man sich und hilft man sich, so dass kurz nach 10:00 Uhr ein Traktor angedüst kam, 2 Mal über das Grundstück wirbelte und wieder davonfuhr.
Da sieht man mal wieder, dass Individualität dennoch einer funktionierenden Gemeinschaft bedarf.
Wir wollten erst gegen Mittag losfahren. Da es aber so massiv schneite, dass man nicht weit sehen konnte, beschlossen wir, gleich loszufahren. Insgesamt hatten wir knapp 4 Stunden Fahrt vor uns.
Die Fahrt selber war ziemlich unspektakulär. Es gab viel Schnee und zum Glück wenig Autos. Die letzten 1,5 Stunden fuhren wir eine parallel verlaufende Straße, die nochmal schön durch die tiefverschneiten Winterwälder führte.
Mit der Ankunft an der Hütte kam eine Warn-SMS aufs Handy, dass es viel schneien soll und man auf unnötige Fahrten verzichten solle. Der Himmel sah auch bedrohlich aus. Dennoch fuhren wir noch zu einem kleinen Thai-Imbiss, um uns was zu Essen zu holen. Da Sauna diesmal nicht mehr auf dem Programm stand, konnten wir umso länger Zeit in eine nordische Krimiserie investieren.






2026.01.09
Die Nacht endete für mich gegen 5:00 Uhr. Der Körper hatte den Drang, Dinge loszuwerden, die er vorher zu sich genommen hatte. Da es Shirley auch nicht wirklich super ging, führten wir dies auf unser Essen vom Vortag zurück. Problem war, neben den Magenschmerzen und den regelmäßigen Toilettenbesuchen, dass wir noch eine Fahrt von knapp 3,5 Stunden vor uns hatten.
Da ich gerne abgesichert bin und meine Optionen alle wissen möchte, habe ich unseren Vermietern, dem derzeitigen und dem künftigen, geschrieben, dass es sein kann, dass wir bei dem einen länger bleiben und bei dem anderen später kommen würden. Zum Glück war das beides möglich.
Zum noch größeren Glück verminderten sich die Toilettengänge und auch ein Spaziergang durchs Dorf führte zu keiner Verschlechterung diesbezüglich. Die aufsteigenden Magenkrämpfe waren für den weiteren Tag hinnehmbar. Wir entschlossen uns also 14:15 Uhr Richtung Uppsala aufzubrechen und kamen dort auch knapp nach 17:30 Uhr ohne Zwangspausen an.
Wir wohnten jetzt in der Nähe des Schloss Vik in einem großen und stilvoll eingerichteten Haus. Unser Gastgeber Per kam ca. 1,5 Stunden später. Da Shirley und ich vom Tag aber echt geschafft waren, gab es nur ein kurzes Hallo und dann Schlafenszeit.








2026.01.10 und 2026.01.11
Am letzten vollständigen Tag in Schweden war eigentlich ein Besuch in Uppsala angedacht. Leider hatte sich der Magen noch nicht wieder vollends erholt und bei jeder größeren Anstrengung, da reichte schon ein Spaziergang durch den Schnee, fing er an sich zu melden. Also hieß es noch einmal, direkte Umgebung und Sonne genießen.
Bis auf einen leichten, aber bissigen Wind zeigte sich das Wetter noch einmal von seiner besten Seite und das warme Wintersonnenlicht ließ dann auch die Enttäuschung über den verpassten Uppsala-Besuch schnell vergessen.
Wir versuchten zwar, nach Uppsala zu fahren, aber in der Stadt angekommen, zeigte sich, dass es keinen Sinn machen würde, diese zu erkunden. Dafür, dass wir nicht zu entspannt in Richtung des Abflugstages gehen konnten, sorgte die Übersignalisierung unseren modernen Autos. Auf dem Weg zurück kam plötzlich eine Meldung in orange. Natürlich auf Schwedisch, aber das Zeichen kam mir bekannt vor. Ein Reifen verliert Druck. Schnell war auch klar welcher. Der Reifen selber machte aber keine Anstalten, sich dies anmerken zu lassen. Auch ein spätabendlicher Besuch des Reifens zeigte keine Veränderung. Darüber war ich auch nicht böse, dennoch blieb ein Gefühl von Plattfuß am Morgen, was wir natürlich kurz vorm Abflug und 50 Minuten von der Mietwagenstation entfernt, nicht gebrauchen konnten. Zum Glück traten die bis ins feinste Detail ausgemalten Szenarien nicht ein und der Reifen begrüßte uns am Morgen prall gefüllt wie eh und je.
Der Weg zum Flughafen, die Abgabe des Autos und die Aufgabe des Gepäcks verliefen reibungslos. Der Flug, der hinzu 1:40 Stunde gedauert hat, war diesmal in 1:10 Stunde erledigt.
Spannend wurde es dann noch an unserem Auto, welches 14 Tage in der sibirischen Winterkälte ausharren musste. Aber auch da: Schlüssel umgedreht und der Motor unseres 16 Jahren alten Mazda 3 heulte auf. Der Weg nach Hause verlief ohne Vorkommnisse und Dank unserer Nachbarn fanden wir eine warme Wohnung vor.









Fazit:
Wir haben einmal wieder den Winter gesucht und wir haben den Winter einmal wieder gefunden. Ab dem 1.1. kam der Schnee und kurz danach die Eiseskälte. Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich diese Temperaturen anfühlen und wie sich der Körper ein wenig daran gewöhnt. Wir hatten wieder tolle Menschen getroffen und einzigartige Unterkünfte bewohnt. Leider hat der Körper diesmal etwas gestreikt und uns die letzten Tage einen anderen Rhythmus aufgezwungen. Aber auch da, war kein Tag verschwendet.
Stockholm ist definitiv noch ein weitere Reise wert. Diesmal vielleicht bei mehr Licht.
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